Kulturelle Unterschiede: Wie Sie richtig damit umgehen

Wie vermeidet man einen kulturellen Fauxpas in Europa? Die Unterschiede mögen minimal erscheinen, aber dennoch kann Ihre Wortwahl dafür ausschlaggebend sein, ob Sie einen Deal an Land ziehen oder nicht. Jeremy Bos, Director EMEA Commercial Marketing bei BCD Travel, weiß, wovon er spricht.

1. Die Unterschiede erkennen

„Ich hielt es immer für eine Übertreibung, wenn jemand die großen kulturellen Unterschiede zwischen europäischen Ländern zur Sprache brachte. Jetzt wo ich mit Menschen aus Belgien, Luxemburg, Deutschland und Schweden arbeite, erlebe ich es selbst. Und für mich ist dieser Umstand durchaus positiv, da sich die Nationalitäten gegenseitig ergänzen.“

2. Respekt

„Das Wichtigste ist, die Unterschiede zu erkennen und zu respektieren. Das heißt nicht, dass man sich immer anpassen muss. Es ist vielmehr wichtig, bewusste Entscheidungen zu treffen. Als Holländer bin ich oft direkter als meine Mitarbeiter. Bei Teambesprechungen nutze ich diese Eigenschaft, um möglichst schnell auf den Punkt zu kommen. Wenn ich neue Menschen kennenlerne, bin ich vorsichtiger. Ich bemühe mich, weniger direkt zu sein, und wähle meine Worte mit mehr Bedacht. Jede Situation erfordert eine andere Strategie.“

3. Begrüßung

„Bei unseren Meetings begrüße ich jeden Teilnehmer in seiner oder ihrer Sprache. Das ist viel persönlicher und sorgt sofort für eine entspannte Atmosphäre. Wer international geschäftlich unterwegs ist, sollte auf jeden Fall die Grußformeln in der jeweiligen Landessprache lernen. Wörter wie „bitte“, „danke“ und „auf Wiedersehen“ können auch Wunder bewirken.

4. Wortwahl

„Wir übersetzen viele Marketing-Slogans in die Landessprache, weil das einfach zu mehr Erfolg führt. In solchen Fällen haben unsere Kollegen vor Ort immer das letzte Wort. In Schweden wollten wir einmal einen Slogan mit dem Wort „Schalter“ verwenden. Allerdings wird dieses Wort in Schweden mit einer eher fragwürdigen Fernsehsendung assoziiert. Mein Kollege aus Stockholm wusste das natürlich. Auch bei Varianten derselben Sprache muss man vorsichtig sein. Zwischen Niederländisch und Flämisch gibt es z. B. durchaus Unterschiede. Wenn man auf Niederländisch etwas reservieren möchte, benutzt man das Wort „reservering“. Die flämische Entsprechung heißt jedoch „reservatie“. Die Flamen verstehen natürlich auch das niederländische Wort. Es ist jedoch höflicher, den richtigen Ausdruck zu verwenden, und die Leute wissen das zu schätzen.“

5. E-Mail

„Deutsche und Franzosen haben einen stärker ausgeprägten Sinn für Hierarchie als Niederländer. Sie schätzen eine formelle Anrede und eine längere Einleitung, bevor das eigentliche Thema zur Sprache gebracht wird. Das gilt sowohl für die verbale Kommunikation als auch für Briefe und E-Mails. In Bezug auf die E-Mail-Signatur empfiehlt sich bei Telefonnummern das internationale Format. Das vereinfacht die Kontaktaufnahme für den Empfänger. Wenn Sie im Zielland eine Niederlassung haben, können Sie die Kontaktdaten in Ihrer Signatur aufnehmen. Kurz gesagt: Versetzen Sie sich in die Lage des Empfängers.“

6. Bilder

„Auch Bilder haben eine kulturelle Bedeutung. Was in einem Land funktioniert, kann anderswo völlig daneben gehen. Wir testen das manchmal über soziale Medien, indem wir verschiedene Bilder und Slogans verwenden und die Ergebnisse vergleichen. Danach wissen wir, was am besten funktioniert.“

7. Offen sein

„Im internationalen Geschäft spielen kulturelle Unterschiede immer eine Rolle – egal ob bei Meetings, in der schriftlichen Kommunikation oder beim Marketing. Sie müssen sich vorbereiten und vor allem aufpassen. Hören Sie Ihrem Gesprächspartner aufmerksam zu und entwickeln Sie ein Gefühl dafür, was funktioniert und eine angenehme Stimmung erzeugt. Bitten Sie nach Möglichkeit vorab Ihre Partner oder Kollegen vor Ort um Hilfe und informieren Sie sich über Sprache, Kultur und Bräuche.“

8. Erfolgreiche Teambesprechung

„Wenn Sie Ihr internationales Team zu einem Meeting einladen, erwägen Sie alternative Treffpunkte. Ich zum Beispiel lebe in den Niederlanden, und mein Team ist über Belgien, Luxemburg, Deutschland und Schweden verstreut. Letztes Jahr hat sich jedoch sowohl logistisch als auch preislich Barcelona als der günstigste Ort für ein Treffen herausgestellt, obwohl niemand von uns in Spanien lebt.

(Quelle: move online, November 2017)