Glücklich durch Flexicurity?

In Dänemark leben angeblich die glücklichsten Menschen der Welt. Ob das mit ihrem Arbeitsmarktmodell Flexicurity zusammenhängt und ob wir Deutschen uns davon etwas abgucken können, erfahren Sie hier.

Bereits zum vierten Mal haben die Vereinten Nationen 2016 den World Happiness Report veröffentlicht. Laut dieser Untersuchung ist Dänemark das glücklichste Land der Welt. Für den Glücksbericht werden Länderdaten erhoben und mit Befragungen über die Selbstwahrnehmung ihrer Bewohner ergänzt. Wichtige Faktoren sind das subjektiv empfundene Glück, das zur Verfügung stehende soziale Netz und die gefühlte Freiheit, sein Leben selbst zu bestimmen.

Das dänische Flexicurity-Modell

Gerade beim letzten Aspekt könnte das dänische Arbeitsmarktmodell zum Tragen kommen. Das so genannte Flexicurity-Modell vereint Flexibilität und Security, also Sicherheit. Bereits in den 1990er Jahren fand in Dänemark eine entsprechende Arbeitsmarktreform statt. Die Lockerung des Kündigungsschutzes bescherte den Arbeitgebern mehr Flexibilität, während eine hohe Arbeitslosenunterstützung und eine rasche Wiedereingliederung im Kündigungsfall Sicherheit für die Arbeitnehmer bedeutete. Seitdem wurde dieses Modell immer mal wieder auch für Deutschland diskutiert. Auch die EU sieht darin einen guten Weg für ihre Mitgliedsstaaten, denen immer wieder zu starre Arbeitsmärkte nachgesagt werden.

Vorbild für Deutschland?

Aber ist das Modell wirklich erstrebenswert? Immerhin geht es dabei auch um eine Lockerung des Kündigungsschutzes. Das dänische Modell ist laut EU geprägt durch hohe Ausgaben für soziale Sicherheit und hohe Steuern, geringen Arbeitsschutz, aber hohe Beschäftigungssicherheit. Der deutsche Ökonom Hans Werner Sinn hat kürzlich herausgestellt, dass während der Finanzkrise auf dem dänischen Arbeitsmarkt trotz steigender Arbeitslosenzahlen ein hohes Maß an Flexibilität erhalten geblieben ist. Zudem seien Dänen selten arbeitslos und wenn, dann relativ kurz.

Das klingt zunächst einmal nicht schlecht. Ob das Modell allerdings so einfach auf Deutschland übertragbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Immerhin hat Deutschland 16 Mal so viele Einwohner und dementsprechend ganz andere Strukturen als Dänemark.

Flexibilität für Arbeitnehmer

Während bei Flexicurity eher die Flexibilität für Arbeitgeber bzw. den Arbeitsmarkt im Vordergrund steht, fordern hierzulande auch Arbeitnehmer immer mehr Flexibilität. Vertrauensarbeitszeit ist ein Gedanke, der sich mehr und mehr durchsetzt. Chef und Mitarbeiter vereinbaren eine Wochenarbeitszeit oder auch nur ein Projektziel. Zu welcher Zeit und mit wie vielen Arbeitsstunden der Mitarbeiter dieses Ziel erreicht, bleibt ihm überlassen. Es gibt keine Kernarbeitszeiten, zu denen Anwesenheitspflicht besteht. Arzttermine während der Arbeitszeit können problemlos wahrgenommen werden, sofern die Arbeit zu anderer Zeit erledigt wird.

Wie immer, hat auch diese Medaille zwei Seiten: Einerseits ist es ein gutes Gefühl, selbst verantwortlich dafür zu sein, wann man seine Arbeit sinnvollerweise erledigt. Andererseits kann dies auch zu unbezahlter Mehrarbeit führen sowie zu einer Vermischung von Arbeit und Freizeit. Aber gerade für junge Arbeitnehmer, die Beruf und Familie vereinbaren möchten, ist diese Form der Flexibilität sicher sinnvoll – und macht letztendlich vielleicht auch glücklicher.

(Quelle: moveonline, Juni 2016)